Search Funds als Investment - Teil 2: Die Bedenken der Profi-Investoren

Der Hype um Search Funds ist real, doch viele Investment-Profis zögern. Hier sind ihre Gründe.

11.3.2026

von

Sebastian Gaede

  • Der Search-Fund Hype in DACH ist real, doch noch ist die Asset-Klasse klein und Family Offices wie Private Equity Professionals zögern.
  • Vieles muss sehr gut laufen, damit beim Search Fund Modell wirklich „alle“ gewinnen, also Unternehmer, Nachfolger und Investor, wie häufig behauptet.
  • Für professionelle Investoren sehen wir 2 mögliche Strategien, um trotz aktueller Skepsis in die Asset-Klasse Search Fund zu investieren.

In Teil 1 dieses Posts sind wir ausführlich auf den Search Fund Hype eingegangen: Was begeistert Nachfolgeunternehmer und Investoren an dem Modell? Welche Investoren sind besonders aktiv? Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Aus Investorensicht sind Search Funds bisher eine sehr kleine Asset-Klasse. Das zeigt ein Blick auf die sogenannten „Search Fund-of-Funds", also jene institutionelle Investoren, die Searcher und ihre Übernahmen finanzieren: Die wenigen namhaften Fund-of-Funds, die auch signifikant in Europa investieren, haben seit Anfang 2024 von Investoren keine 250 Mio. € eingeworben:

Fund-Closings von Search-Fund-of-Funds, die (auch) in Europa investieren
Fund-Closings von Search-Fund-of-Funds, die (auch) in Europa investieren

Zum Vergleich: Alleine 2025 haben Private Equity Fonds global über 750 Mrd. US-Dollar eingeworben. Offenbar ist die "Asset-Klasse Search-Fund" bei institutionellen Investoren also bisher nicht angekommen. Spricht man mit Private Equity Professionals, schlägt einem häufig Skepsis entgegen:

Für mich sind Search Funds einfach die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird

Als Investor versuchen wir zwischen Meinung und Fakten zu unterscheiden und systematisch Für und Wider einer Asset-Klasse zu verstehen. Deswegen haben wir uns mit den Zweifeln der Search-Fund-Skeptiker näher auseinandergesetzt.

5 Bedenken, die Profi-Investoren von Search-Fund-Investments abhalten

Aus Investoren-Sicht sind Search Funds ein Private Market Equity Investment. Sie ordnen sich im Lower Mid Market ein, einem Marktsegment dem überdurchschnittliche Renditen nachgesagt werden. Als unternehmerischer Investor vergleichen wir bei OSTREUM Search Fund Investments mit anderen Direktinvestments, für passivere Investoren sind wohl eher spezialisierte Lower-Mid-Market Private Equity Fonds der Maßstab. Spricht man mit Investoren solcher Private Equity Fonds, schlägt einem häufig Skepsis zu Search Funds entgegen. Fünf Bedenken hören wir dabei immer wieder:

  1. Fehlender Exit Track-Record: Für Investoren „fliegt“ das Search-Fund-Modell nur durch den Exit, also den Weiterverkauf. Zumindest in Europa sind Search-Fund Exits bisher jedoch rar gesät. Ob die in den einschlägigen Studien ausgewiesenen Renditen hier anwendbar sind, muss sich also erst zeigen. Ein möglicher „Survival-Bias“ der Studien sorgt für zusätzliche Zweifel.
  2. Hohe Kosten für Investoren: Für Search-Fund-Unternehmer ist das traditonelle Search Fund Modell das „perfekte Anreizsystem“. Für Investoren bedeutet das Modell, dem Nachfolgeunternehmer bis zu 30% des Unternehmenswerts zu "schenken". Hinzu kommen kommen mögliche Management-Fees, sofern nicht direkt sondern über Search Fund of Funds investiert wird.
  3. Fehlende Operator Erfahrung der Nachfolgeunternehmer: Die "Searcher" mögen hoch motiviert sein. Wirkliche unternehmerische Erfahrung haben sie meist nicht. Wo Private Equity auf erfahrene Operator mit existierenden „Playbooks“ aus vorherigen Jobs setzt, vertraut das Search Fund Modell auf den Hunger des Jungunternehmers.
  4. Kein treibender Lead-Investor im Cap Table: Das Search-Fund Modell bringt einen eher fragmentierten Gesellschafterkreis mit sich. Wer fühlt sich da verantwortlich, dem Nachfolgeunternehmer auf die Finger zu schauen und ggf. schnell zu handeln?
  5. Hoher Aufwand: Im Search Fund Modell hält der einzelne Gesellschafter nur einen überschaubaren Anteil. Jedes Investment will aber dennoch gründlich geprüft werden. Dies zahlt man mit hohem Zeitaufwand, Due Diligence Kosten, oder Management-Gebühren für einen Search Fund-of-Fund.

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Diese Search-Fund Strategien sehen wir als in Investor

Sind Search Funds ein attraktives Investment innerhalb der Asset-Klasse Lower-Mid-Market-Equity Investments? Wer diese Frage für sich mit "ja" beantwortet, hat im Wesentlichen zwei Strategien, um diversifiziert in Asset-Klasse zu investieren:

  • Strategie 1: Investment in einen Search Fund-of-Fund, also einen Fonds, der in Search Funds investiert. Renommiert sind hier beispielsweise Istria, JB46 und Vonzeo. Der Vorteil: Bereits mit einem sechs-stelligen Investment partizipiert man an der Performance eines diversifizierten Portfolios. Der Nachteil: Zusätzlich zu den im Search Fund Modell implizit anfallenden Kosten erhält der Fonds noch eine Management-Fee, die über die Laufzeit von mehreren Jahren durchaus signifikant ist.
  • Strategie 2: Direktes Investment in 15+ durch Searcher getriebene Akquisitionen. Der Vorteil: Es fallen keine Management-Kosten an. Der Nachteil: Hoher Aufwand und hoher Kapitalbedarf. Investiert man durchschnittlich in 1 von 8 Unternehmen, die man sich ansieht, sind für 15 Investments 120 Unternehmen zu prüfen. Und mit mehreren 100 Tsd. € Investment pro „Seat“ bei einem Direct Investment, ist man schnell bei einem 7-stelligen Einsatz.

Bei OSTREUM sehen wir die Asset-Klasse Search Fund noch in den Kinderschuhen: Wir benötigen mehr Evidenz zu tatsächlich erzielten Renditen, bevor wir systematisch Kapital allokieren. Deshalb verfolgen wir eine opportunistisch komplementäre Strategie: Wir prüfen Investments vor allem dann, wenn sie ein attraktives B2B-Geschäftsmodell innerhalb unserer Fokus-Branchen aber außerhalb Süddeutschlands betreffen. Dabei schätzen wir die Zusammenarbeit mit der Search-Fund Community. Zugleich liegt die Prüfung einer systematischen Kapital-Allokation in die "Asset-Klasse Search Fund" mit der Weiterentwicklung des Search Fund Marktes auf Wiedervorlage.

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