30.7.2026
von
Sebastian Gaede

Die Unternehmensnachfolge bleibt eines der drängendsten strukturellen Themen im deutschen M&A-Markt: Laut einer aktuellen Studie von Creditreform Österreich und CH Consult benötigen bis 2030 rund 45 % der mittelständischen Unternehmen eine Nachfolgelösung — ein Wert, der strukturell auch für den deutschen Mittelstand als Orientierungsgröße gilt. Gleichzeitig gewinnen familienexterne Übergaben an Bedeutung, während die klassische Familiennachfolge weiter zurückgeht. Wer die Planung zu spät angeht, riskiert dabei nicht nur Bewertungsabschläge, sondern auch steuerliche Fallstricke und operative Kontinuitätsprobleme — wie Markt und Mittelstand in einer aktuellen Analyse ausführlich beschreibt. Parallel dazu gewinnt das Modell der Unternehmensübernahme durch externe Einzelpersonen — im angelsächsischen Raum als Entrepreneurship Through Acquisition (ETA) etabliert — auch hierzulande langsam an Sichtbarkeit, wie das Handelsblatt berichtet. Die Kombination aus demografischem Druck, steigendem Käuferinteresse und professionalisierter Beratungslandschaft sorgt dafür, dass der Nachfolge-M&A-Markt strukturell robust bleibt.
Für diesen Bericht haben wir 18 verifizierte Nachfolge-Transaktionen aus dem zweiten Quartal 2026 ausgewertet, die zwischen April und Juni 2026 abgeschlossen oder öffentlich kommuniziert wurden. Die Deals verteilen sich auf neun aktive M&A-Berater und decken ein breites Branchenspektrum ab — von Elektrotechnik und Logistik über Software und Pflege bis hin zu Automotive und Umweltdienstleistungen. Besonders auffällig in diesem Quartal: mehrere Transaktionen, bei denen Gründer nach Jahrzehnten operativer Verantwortung strukturierte Übergabeprozesse eingeleitet haben, teils an strategische Käufer, teils an Finanzinvestoren, teils an Management-Buy-In-Kandidaten. Zwei Berater — Benchmark International und benten capital — begleiteten jeweils Deals, bei denen der Nachfolgecharakter explizit im Transaktionskontext kommuniziert wurde. Wir haben die Deals nach Anzahl der begleiteten Transaktionen sortiert und dokumentieren im Folgenden die Aktivitäten der einzelnen Berater.
Haben wir eine Nachfolge-Transaktion übersehen? Schreiben Sie uns gerne mit Verweis auf die Ankündigung und die betreuende M&A-Beratung, wir aktualisieren diesen Post periodisch.
Benchmark International zählt zu den international aufgestellten M&A-Beratungen mit einem klaren Fokus auf mittelständische Unternehmensverkäufe und Nachfolgetransaktionen. Im zweiten Quartal 2026 begleitete das Team drei Transaktionen, bei denen Gründer oder Gesellschafter die operative Verantwortung abgaben.
Walter Fries ist eine auf mittelständische Unternehmenstransaktionen spezialisierte Beratung mit Erfahrung in familiengeführten Unternehmen und Eigentümerwechseln. Im zweiten Quartal 2026 begleitete das Team zwei Transaktionen in unterschiedlichen Industriesegmenten.
Transfer Partners ist eine auf Unternehmensverkäufe im Mittelstand spezialisierte Beratung, die regelmäßig Gesellschafterfamilien und Gründer bei der Übergabe an strategische oder institutionelle Käufer begleitet. Im zweiten Quartal 2026 dokumentieren wir zwei abgeschlossene Transaktionen.
Proventis Partners berät mittelständische Unternehmen bei Verkaufsprozessen mit Schwerpunkt auf strukturierten Eigentümerwechseln, häufig in familiengeführten Unternehmen mit Generationenübergangsbedarf. Im zweiten Quartal 2026 begleitete das Team zwei Transaktionen im Bereich Energie und Umwelt.
benten capital positioniert sich als Beratung mit explizitem Fokus auf nachfolgebedingte Transaktionen im Mittelstand und begleitet Gesellschafter bei der strukturierten Übergabe an strategische oder institutionelle Käufer. Im zweiten Quartal 2026 wurden zwei Transaktionen abgeschlossen.
Con|cess M+A-Partner ist eine auf Unternehmensverkäufe im Mittelstand spezialisierte Beratung, die häufig Gründer und Inhaber bei der Suche nach geeigneten Nachfolgern begleitet — auch wenn eine eigenständige Nachfolgesuche zuvor erfolglos geblieben ist. Im zweiten Quartal 2026 wurden zwei Transaktionen abgeschlossen.
IMAP M&A Consultants begleitete im Juni 2026 den Verkauf der GEVITA Residenz Lörrach an die Argentum Gruppe: Die bisherigen Gesellschafter veräußerten die Pflegeeinrichtung im Rahmen einer explizit kommunizierten Nachfolgelösung und übergaben die Führung an einen externen Investor; betreut von den Partnern Florian Böschen und Niklas Köhne.
Nachfolgekontor begleitete im Mai 2026 den Verkauf der merlin.zwo InfoDesign GmbH & Co. KG aus Karlsruhe an die Abacus alpha GmbH: Die Gründer und Gesellschafter Kutscheruk und Winkler regelten ihre Nachfolge mit explizitem Fokus auf Generationenübergang und Kontinuität des Oracle-Systemhauses; betreut von Sebastian Ringleb und Dennis Minnert.
carlsquare begleitete im Mai 2026 den Mehrheitsverkauf des Frankfurter Forderungsmanagement-Spezialisten Debtist an Norvestor Nova I SCSp: Die Gründer übergaben die operative Verantwortung an den Finanzinvestor und zogen sich aus dem Tagesgeschäft zurück, um die europäische Skalierung des Unternehmens zu ermöglichen; betreut von Mark Miller, Nils Zettelmeyer, Sascha Overkamp und Kai Calli.
Oaklins begleitete im April 2026 den Verkauf der Diederichs Karosserieteile GmbH an ITAL Holding: Der verkaufende Gesellschafter kommunizierte den Prozess explizit als frühzeitig geplante Unternehmensnachfolge aus einem Familienunternehmen heraus — "It all began with the decision to plan for business succession early on" — betreut von Dr. Lutz Becker, Stephan Gröger und Eddi Dudek.
Clockwise Consulting GmbH begleitete im April 2026 den Verkauf der H&E Bohrtechnik GmbH aus Stadtroda an STRABAG AG; das Unternehmen ist auf Horizontalbohrtechnik und grabenlosen Leitungsbau spezialisiert; betreut von Christian Wewezow.
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Die 18 Transaktionen des zweiten Quartals 2026 verteilen sich auf ein breites Branchenspektrum: Elektrotechnik und technische Gebäudeausrüstung stellen mit drei Deals das stärkste Segment, gefolgt von Software/IT, Automotive und Logistik mit je zwei Transaktionen. Auf der Käuferseite dominieren strategische Erwerber, darunter mehrere internationale Unternehmensgruppen; Finanzinvestoren treten in mindestens drei Fällen als Käufer auf, während zwei Transaktionen als Management-Buy-In strukturiert wurden. Regional liegt ein Schwerpunkt auf Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen, mit einzelnen Deals in Sachsen, Brandenburg, der Schweiz und Norddeutschland. Auffällig ist die hohe Explizitheit des Nachfolgemotivs: In der Mehrzahl der dokumentierten Fälle kommunizierten Verkäufer oder Berater den Nachfolgecharakter aktiv — ein Indikator dafür, dass strukturierte Nachfolgeplanung zunehmend als Qualitätsmerkmal eines Verkaufsprozesses wahrgenommen wird.
Haben wir eine Nachfolge-Transaktion übersehen? Schreiben Sie uns gerne mit Verweis auf die Ankündigung und die betreuende M&A-Beratung, wir aktualisieren diesen Post periodisch.
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