30.6.2026
von
Philipp Legge

Viele Teams haben den Wert eines Tapetenwechsels für Strategie-Retreats erkannt. Das reicht von ein paar Stunden in einem externen Meetingraum bis hin zu mehrtägigen Workations auf einer Finca oder am Meer. Auch wir haben uns zu smartpatient-Zeiten einmal im Jahr die Zeit genommen, um unsere Strategie zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Häufig waren wir dafür in der Toskana. Gutes Essen war immer ein fester Bestandteil unseres Programms.
Heute sind wir zu zweit und flexibler bei der Ausgestaltung unseres Programms. Also fahren wir Rennrad. Tagsüber kurbeln wir Pässe hoch, abends sitzen wir erschöpft bei gutem Essen zusammen. Ein Restaurant bietet weder die Privatsphäre einer Finca noch die Möglichkeit, Diskussionen am Whiteboard zu strukturieren. Für uns ist dies aktuell trotzdem der richtige Rahmen.
Stunden im Sattel haben für uns eine fast meditative Qualität. Der Kopf wird frei, die Gedanken sortieren sich und finden abends ihren Weg in die Diskussion. Sobald unser Team wächst, werden wir unser Format wieder anpassen müssen. Bewegung, frische Luft und ein gemeinsames Erlebnis lassen sich auch ohne Rennrad organisieren.
Die diesjährige Tour ist unsere zweite gemeinsame Alpenüberquerung. Vor genau zwei Jahren sind wir vier Tage durch die italienischen Alpen gefahren, mit Begleitfahrzeug und leichtem Gepäck über Timmelsjoch, Stilfserjoch, Mortirolo und Gavia: 281 km und 7.480 Hm. Diesmal fahren wir das Gepäck selbst und legen mit 300 km und 7.900 Hm noch einmal ein paar Kilometer und Höhenmeter drauf.

Die Route führt als Rundtour ab Andermatt durch drei Sprachregionen: vom deutschsprachigen Urseren ins italienischsprachige Tessin, durch das Walliser Obergoms und zurück ins Berner Oberland. Sechs Pässe, vier Tage, ein Auto am Start und Ziel. Ansonsten haben wir unser Gepäck am Fahrrad. Geplant haben wir die Tour gemeinsam in Komoot – unter dem Titel, der die Sache auf den Punkt bringt: Leveraged Bike-Out.
Der Oberalp (2.044 m) ist ein angenehmer Auftakt der Rundfahrt: gleichmäßig, verkehrsarm und gut zu fahren. Nach Disentis folgt der Lukmanier (1.915 m), der ruhigste Pass der gesamten Runde. Kaum Verkehr, breite Straße, kein steiles Profil. Die Etappe ist lang, belohnt aber nach den beiden Gipfeln mit einer fast 40 km langen Abfahrt durchs Bleniotal bis nach Biasca auf 300 Meter, dem tiefsten Punkt der Tour.
Mittagessen: Hospezi Santa Maria auf der zweiten Passhöhe nach ca. 49 km. Tessiner Küche auf knapp 2.000 Metern, mit Blick auf den Scopi und hinab ins Val Medel.
Abendessen: Grotto dei Pescatori, Giornico. Regionale Küche mit konsequenter Zero-Km-Philosophie und Weinen aus dem Tessin.
Werkstätten: Bikewelt Gisler (Andermatt); Menzli Sport / Intersport (Disentis); Distillerie Wittwer Sagl (Biasca); Machia Racing Parts (Biasca)
Versorgung: Supermercato Migros (Biasca);
Von Biasca bis zur Passhöhe steigt die Straße fast 40 km ohne echte Unterbrechung: zunächst 16 km durch die Leventina bis Airolo mit konstant 6,5 % Steigung, dann der Nufenenpass (2.478 m) mit weiteren 23 km und Spitzen bis 12 %. Der höchste komplett in der Schweiz liegende Straßenpass bietet kaum Erholung in den Kehren. Die Passhöhe bleibt bis kurz vor dem Ziel unsichtbar. Die Landschaft oben ist karg und windanfällig. Wer oben ankommt, hat den härtesten Tag der Tour hinter sich.
Mittagessen: Restaurant Nufenenpass auf der Passhöhe nach ca. 65 km. Einfache Küche in außergewöhnlicher Lage.
Abendessen: Hotel Hubertus, Ulrichen. Täglich wechselndes Gourmet-Menü mit Walliser Weinen. Das bestbewertete Haus der Region.
Werkstätten: Distillerie Wittwer Sagl (Biasca); Machia Racing Parts (Biasca); Osteria TREMOLA San Gottardo Bed & Bike (Airolo); Hisport (Oberwald); Elmars Gadä Langlauf, Bike, Shop & Café (Geschinen)
Versorgung: Volg (Ulrichen)
Nach der Königsetappe eine etwas entspanntere Tour – mit 1.640 Hm bergauf, aber 2.400 Hm bergab. Vom Obergoms hinauf nach Gletsch, dann zuerst der Furkapass (2.429 m). Die Auffahrt führt vorbei am Hotel Belvédère – jene Kehre, in der Goldfinger gedreht wurde, mit direktem Blick auf den Rhonegletscher. Zurück nach Gletsch, dann direkt in die Grimsel-Nordflanke (2.164 m): Granit, Stauseen, Dreitausender im Blick.
Mittagessen: Grimsel Hospiz direkt am Grimselsee, 2 km nach der Passhöhe. Historisches Alpinhotel mit ambitionierter Küche und Terrasse am Stausee.
Abendessen: Hotel Victoria, Meiringen. 15 GaultMillau-Punkte und Michelin Bib Gourmand. Französische Küche mit asiatischen Einflüssen.
Werkstätten: Elmars Gadä Langlauf, Bike, Shop & Café (Geschinen); Schild Zweiradcenter (Innertkirchen); HasliBike (Innertkirchen), P. Wiedemeier (Meiringen)
Versorgung: Avec (Meiringen)
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Der letzte Tag hat die meisten Höhenmeter. Die Westrampe des Sustenpass (2.224 m) ist 27 km lang und meist zwischen 7 und 9 % steil – gleichmäßig, ohne extreme Rampen, landschaftlich eine der schönsten Auffahrten der Alpen. Im oberen Teil öffnet sich der Blick auf den Steingletscher. Dann die lange Abfahrt nach Wassen und als Schlussakkord die Schöllenenschlucht zurück nach Andermatt – und zum Auto.
Mittagessen: Restaurant Sustenpass. Keine Auszeichnungen, keine Alternativen. Auf 2.224 Metern isst man, was es gibt.
Abendessen: Radisson Blu, Andermatt. Schnelles Essen im Hotel, dann Heimfahrt nach München.
Werkstätten: P. Wiedemeier (Meiringen); Schild Zweiradcenter (Innertkirchen); HasliBike (Innertkirchen); Bikewelt Gisler (Andermatt)
Versorgung: Coop Supermarkt (Andermatt)
Anfang 2025 haben wir OSTREUM gegründet und zu einem konkreten Beteiligungsansatz entwickelt. Seitdem haben wir unser Suchprofil geschärft, unser Netzwerk ausgebaut und uns erfolgreich im Markt als unternehmerische Alternative zum Finanzinvestor etabliert.
Nach dem Verkauf der smartpatient GmbH an die börsennotierte Redcare Pharmacy hatten wir gerade die operative Verantwortung an unsere Nachfolger übergeben. Auf unserer ersten Alpenüberquerung schrieben wir unsere Abschiedsrede und wollten den Kopf frei bekommen. Irgendwo zwischen Timmelsjoch, Stilfserjoch, Mortirolo und Gavia sind wir ins Grübeln gekommen, was als nächstes kommen könnte. Der Name des Passi con Basti Retirement Ride war nie ernst gemeint. Uns war klar: Unternehmer ohne Unternehmen ist kein Dauerzustand. Ein halbes Jahr später haben wir OSTREUM gegründet.
Auf unserer Tour durch die Zentralschweiz werden wir die vergangenen 18 Monate Revue passieren lassen. Nicht alles ist nach Plan gelaufen. Aber das gehört dazu. Was haben wir richtig gemacht? Wo haben wir Zeit verloren? Welche Annahmen haben sich bewahrheitet und welche nicht? Und was nehmen wir für die nächsten 18 Monate mit?
Nach der Tour werden wir mal wieder etwas klarer sehen.
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